Ein Tal, das weiterdenkt
10.02.2025
In einem engen Tal mit Weitblick agieren. Das trifft auf die Menschen im Kaunertal zu. Die Region ist nicht nur von atemberaubender Natur geprägt, sondern steht auch für mutige, zukunftsorientierte Entscheidungen – für Einheimische und Besucher*innen. Wir schauen uns an, was andere Regionen vom Kaunertal lernen können.
Im Jänner 2025 besuchte ein Filmteam von Tirol2025 unsere Region um sie bei den "Geschichten des Gelingens" zu präsentieren - es war ein sehr schöner Tag :) Anbei ein Auszug aus dem Bericht.
Hier ist der gesamte Bericht zu lesen: https://www.tirol2050.at/geschichten-des-gelingens/geschichte/kaunertal/
& das Video: https://www.youtube.com/watch?v=8SLrOHL-bfI
Das Kaunertal als Teil des Tourismusverband Tiroler Oberland setzt auf Nachhaltigkeit. Nicht nur im Bereich Tourismus will sich die Region dahingehend positionieren. Die Bestrebungen reichen weiter. Hier bestehen die Verantwortlichen darauf, dass Naturschutz Teil der Zukunft ist.
Warum das so ist und wie es umgesetzt wird? Zur Beantwortung dieser Fragenhaben wir Judith Falch, Nachhaltigkeitskoordinatorin des Tourismusverband Tiroler Oberland, einen Tag lang bei ihrer Arbeit begleitet und diverse Akteur*innen besucht. Eines ist gewiss – Naturschutz geht nur gemeinsam.
Alle profitieren
Judith betont gleich zu Beginn: „Damit wir überhaupt etwas umsetzen können, arbeiten im Kaunertal zahlreiche Menschen zusammen, die unser Tal lebenswert machen wollen.“ Wir erfahren vom nachhaltigen Anreisekonzept per Bus & Bahn und vom E-Ladeangebot am Kaunertaler Gletscher, um eine klimafreundliche Anreise der Gäste zu fördern. Oder von bewusstseinsbildenden Angeboten wie dem Ausbildungsprogramm zum*zur Klimawanderführer*in.
Das kleine Tal im Tiroler Oberland ist zudem auch Teil von großen internationalen Programmen. „Als 'CLAR-Region' haben wir uns bereits 2014 einer ressourcenschonenden, glaubwürdigen und nachhaltigen touristischen Ausrichtung verschrieben. Wir Menschen spielen dabei eine zentrale Rolle. Durch unseren verantwortungsvollen Umgang mit der Natur, kombiniert mit einer strategischen wirtschaftlichen Ausrichtung, können wir die lokale Wertschöpfung steigern“, erklärt sie uns und ergänzt: „Damit es dem ganzen Tal gut geht.“
§ 17a Nachhaltigkeits-koordinator*in
Das Tiroler Tourismusgesetz schreibt seit seiner Aktualisierung im Jahr 2022 vor, dass Tirols Tourismusverbände eine Nachhaltigkeitsstrategie für ihre Destination entwickeln und einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen müssen. Um die lokalen Tourismusakteur*innen dabei zu unterstützen, hat die Tirol Werbung als Landestourismusorganisation ein Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit eingerichtet. „Diese gesetzlichen Vorgaben sind in Österreich und im ganzen Alpenraum einzigartig“, hebt Nicole Ortler, die das Kompetenzzentrum leitet, die Vorreiterrolle Tirols hervor.
Im Zentrum des Gesetzes stehen die Nachhaltigkeitskoordinator*innen, die es in jedem Tourismusverband verpflichtend geben muss – wie Judith im Kaunertal. Auf Initiativen des Kompetenzzentrums Nachhaltigkeit gibt es regelmäßige Treffen für alle Nachhaltigkeits-Koordinator*innen. „Es ist uns gelungen eine Plattform zu schaffen, in der Ideen ausgetauscht, gemeinsame Herausforderungen diskutiert und Best Practices erforscht werden können“, so Ortler. In Zusammenarbeit mit dem Verband der Tiroler Tourismusverbände und dem MCI wurde zudem ein Nachhaltigkeits-Check entwickelt aus dessen Ergebnissen der landesweite Nachhaltigkeits-Bericht entsteht und jährlich an die Landesregierung übermittelt wird.
KLAR! Kaunergrat
Als eine der ersten in Österreich haben sich 2017 mehrere Gemeinden am Kaunergrat zusammen geschlossen, um eine sogenannte „Klimawandel-Anpassungs-Region“ zu gründen. Schon damals war das Bewusstsein da, dass der Klimawandel die Regionen nachhaltig verändern wird. Die KLAR!-Region begann daher frühzeitig, sich darüber Gedanken zu machen. Die sechs Gemeinden Faggen, Fliess, Kaunertal, Kaunerberg und Kauns, alle am Kaunergrat gelegen, sind Teil dieser Kooperation, welche von Bernadette Hofer, der Projektkoordinatorin, geleitet wird. Umgesetzte Maßnahmen sind zum Beispiel die Initiative zum naturnahen Waldbau, die Förderung für Regenwasserspeicher in Privathaushalten oder die Anschaffung von Spezialpumpen für die lokale Feuerwehr. Ziel ist es, zukunftsfitte Ideen und Initiativen ins Leben zu rufen, um auch die Chancen des Klimawandels zu entdecken.
Fotos (C): Tirol2050